Als ich ein Kind war, fanden die Olympischen Spiele in Tokio statt. Ein überwältigendes Gesprächsthema war dabei der Sieg der japanischen Frauenvolleyballmannschaft. Wie sehr muss das Herz der Menschen bei den Leistungen dieser als „Hexen des Ostens“ bezeichneten Spielerinnen geschlagen haben! Durch die wiederholte Berichterstattung lernten wir alle die Namen der Spielerinnen auswendig. Und an der Spitze dieser Mannschaft stand Trainer Daimatsu. Bei dem Sieg dieses als „Teufels-Daimatsu“ bezeichneten Meistertrainers und seines Teams sahen die Japaner im Jahr 1964 vielleicht die traditionellen Geschlechterrollen widergespiegelt.

Und dann kam das Jahr 2011. Im Jahr des Erdbebens gewann die japanische Mannschaft die FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft. Da das Turnier in Deutschland stattfand, feuerten die in Deutschland lebenden Japaner die Mannschaft besonders lautstark an. Wie glücklich war ich, als Japan im Finale gegen die USA im Elfmeterschießen gewann! Es war ein großartiges Gefühl, die Leistungen von Homare Sawa zu sehen, die zur Spielerin des Turniers gekürt wurde. Der Trainer damals war Norio Sasaki. Ich habe gehört, dass danach in Japan ein Boom im Frauenfußball einsetzte.

Ich habe dieses Spiel in Deutschland gesehen, und plötzlich kamen Erinnerungen an das Volleyballspiel von damals zurück. Damals habe ich nicht viel darüber nachgedacht, aber warum werden die Trainer von Frauensportteams immer von Männern gestellt? Ich freute mich zwar über die Leistungen der Spielerinnen, doch dabei verspürte ich irgendwie ein Unbehagen, um es ganz offen zu sagen: ein unangenehmes Gefühl. Auch der Spitzname „Nadeshiko Japan“, den man ihnen gegeben hatte, empörte mich wegen seines völligen Anachronismus. Doch Sasakis Nachfolger war zum ersten Mal eine Frau. Nicht nur das: Zur gleichen Zeit wurden in verschiedenen Frauensportarten wie Volleyball, Eiskunstlauf und Tennis zunehmend Frauen als Trainerinnen und Betreuerinnen eingesetzt. Im Vergleich zum weltweiten Trend hinkt Japan zwar noch ziemlich hinterher, doch das offensichtliche Macho Bild, bei dem ein Mann Trainer eines Frauenteams ist und die Spielerinnen seinen Anweisungen gehorchen, wie man es früher oft sah, verschwindet allmählich.

Die aktuelle Trainerbesetzung in der deutschen Bundesliga hat mich jedoch sehr überrascht. Die Bundesliga ist die erste nationale Fußballliga. Selbstverständlich besteht das gesamte Team aus Männern. Die Härte der Fußballspiele ist sowohl bei den Spielern als auch bei den Zuschauern nicht mit der in Japan zu vergleichen. Da es sich um den Fußball eines Landes handelt, das nach Brasilien – dem Rekordhalter bei Weltmeisterschaften – viermal den Titel gewonnen hat, ist dies ein Bereich, in dem riesige Geldsummen im Spiel sind. Dort wurde nun ausgerechnet Marie-Louise Eta als Trainerin für die Mannschaft von Union Berlin, die derzeit auf Platz 11 steht, verpflichtet. Tatsächlich war sie bis dahin als Co-Trainerin dieser Mannschaft tätig. Das war an sich schon eine Premiere für eine Frau, doch nachdem der vorherige Trainer entlassen worden war, wurde sie sozusagen intern befördert und übernahm den Trainerposten. Sie hatte den Vorteil, die Mannschaft in- und auswendig zu kennen, und genoss das volle Vertrauen der Spieler. Natürlich kann sie selbst auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken, in der sie unter anderem als aktive Spielerin die Champions League gewann. Hintergrund dieser Personalentscheidung war die derzeit größte Sorge des Vereins: die Gefahr des Abstiegs in die 2. Liga aufgrund der anhaltenden Formkrise. Um dies irgendwie zu vermeiden, entschied man sich, statt eines neuen Trainers Frau Eta für diesen Posten zu benennen, die die aktuelle Mannschaft bestens kennt. Allerdings handelt es sich bei dieser Ernennung lediglich um eine vorläufige Trainerrolle; da sie ab dem Sommer als Trainerin für die Frauenmannschaft desselben Vereins vorgesehen ist. Ihre Amtszeit läuft deshalb nur bis zum Ende der Saison.

Das erste Spiel unter ihrer Leitung endete leider mit einer knappen 1:2-Niederlage, doch man konnte bereits die von ihr angestrebte offensive Spielweise erkennen. Unter großer Aufmerksamkeit wird sie auf den bisher aufgebauten Beziehungen zu den Spielern ihre Arbeit verrichten und weiterhin Spielpraxis sammeln. Es scheint auch keine älteren Herren zu geben, die, wie Premierministerin Takaichi sie von den hinteren Regierungsbänken erhält, ihr Anweisungen geben.

Eine Präsidentin, eine Premierministerin, eine Geschäftsführerin, eine Trainerin, allerdings die einer Frauenmannschaft, war bis jetzt noch nachvollziehbar. Aber ehrlich gesagt kam mir nie der Gedanke, dass eine Frau Trainerin im deutschen Fußball werden könnte, der doch eine reine Männerdomäne ist. Es mag vielleicht etwas übertrieben klingen, wenn ich sage, dass das wie aus der Welt der Mangas oder Animes wirkt, aber da dies nun Realität geworden ist, wurde mir bewusst, wie begrenzt meine eigene Vorstellungskraft ist.

Nachdem ich das geschrieben hatte, las ich eine Aussage darüber, wie Marie-Louise Eta nach ihrer Ernennung zur Trainerin mit Medienanfragen überschüttet wurde. Sie sagte: „Lassen Sie uns nicht über Geschlecht oder historischen Hintergrund sprechen, sondern über Fußball und das erste Spiel, das nächste Woche ansteht.“ Damit wollte sie zum Ausdruck bringen, dass man sie nicht aufgrund ihrer Eigenschaften, sondern als professionelle Fachkraft betrachten solle. Aha, wenn man es so betrachtet, wurde mir erneut bewusst, dass ich noch völlig daneben liege, wenn ich überrascht über die Ernennung dieser Trainerin bin und einen solchen Artikel schreibe. Auch in diesem Sinne habe ich erkannt, dass ich meine Denkweise noch einmal ändern und mir stets vor Augen halten muss, dass es in den jeweiligen Situationen auf die richtigen Leute ankommt und Eigenschaften keine Rolle spielen.

Hier gibt es einen Videozusammenfassung ihres ersten Spiels.
https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/wolfsburg-sendet-in-berlin-lebenszeichen,video-bundesliga-netcast-fc-union-berlin-vfl-wolfsburg-100.html

Autor: Mariko Fuchs (wohnhaft in Deutschland)
Artikel auf Japanisch: https://wan.or.jp/article/show/12449